sonder-/heilpädagogische Vollzeitpflege

  • Gem. § 35a SGB VIII sind für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen....
    Gem. § 35a SGB VIII Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche sind für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen.

    Eine der Möglichkeiten, diesem gesetzlichen Anspruch gerecht zu werden, ist die Bereithaltung sonderpädagogischer, bzw. heilpädagogischer Pflegestellen. Bei ihnen können behinderte Kinder Aufnahme finden oder Kinder, die aufgrund ihrer Biografie und ihrer Persönlichkeitsentwicklung die Möglichkeiten einer „normalen Pflegefamilie“ überschreiten und einer professionelleren, aufwändigeren und zeitintensiveren Betreuung im pflegerischen oder psychologischen Bereich bedürfen und bei denen langfristig nicht von einer „Behebung“ ihrer Probleme auszugehen ist. Die Probleme sind derart, dass sie nicht durch eine gezielte sozialpädagogische Betreuung „behandelbar“ sind. Ihnen liegt eine nicht mehr umkehrbare“ Persönlichkeitsstörung, eine Erkrankung oder Behinderung zugrunde.

    Für die Unterbringung in sonderpädagogischen/heilpädagogischen Pflegestellen kommen u.a. Kinder in Betracht, die
    · schwerbehindert sind,
    · mehrfach behindert sind,
    · schwer chronisch krank (z.B. mit HIV oder Hepatitis C infiziert, an AIDS erkrankt oder krebskrank) sind,
    · infolge von FAS/FAE behindert sind,
    · infolge von neurologischen Erkrankungen behindert sind oder
    · aufgrund von Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch in einer Art traumatisiert oder hirnorganisch geschädigt wurden, die zu Persönlichkeitsveränderungen geführt hat.

    Sonder-/heilpädagogischen Pflegestellen müssen aufgrund der Besonderheiten ihrer Pflegekinder nicht nur den üblichen erzieherischen, betreuerischen und liebevollen Rahmen stellen, sondern haben auch therapeutische, bzw. therapieunterstützende Funktion. Hierfür ist es erforderlich, dass sie über den Problemkreis des Kindes betreffende Fachkenntnisse verfügen.

    Die erheblichen Problematiken der Kinder erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Pflegestelle, Fachkräften, Therapeuten, Institutionen und Integrationseinrichtungen. Sie bedeuten zugleich auch für die Pflegepersonen eine hohe Belastung im Alltag, die eine intensive Begleitung durch Fachkräfte erforderlich macht, die auch familienentlastende Hilfen umfassen sollte (z.B. die Bereitstellung eines Babysitters, die Möglichkeit für die Familie, auch einmal ohne das Kind in Urlaub zu fahren, Supervision, regelmäßige Fortbildung).

    Sonder-/heilpädagogische Pflegeeltern erhalten ein erhöhtes Erziehungsgeld sowie ggf. Leistungen der Pflegeversicherung und einen erhöhten Betrag für den notwendigen Lebensunterhalt des Kindes. Sie werden oft nicht durch das Jugendamt, sondern durch einen freien Träger betreut.

    Anmerkung: Die Abgrenzung zwischen sonder-/heilpädagogische Pflegestellen, sozialpädagogischen Pflegestellen und Erziehungsstellen ist häufig fließend, bzw. eine Abgrenzung nicht vorhanden, so dass diese Informationen nicht als „allgemeingültig“ angesehen werden können. Sie sind orientiert an den weiterentwickelten Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Vollzeitpflege vom 26.02.2004.

    Zum Diskussionsforum „Professionelle Pflegeformen

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