sozialpädagogische Vollzeitpflege

  • Gem. § 35a SGB VIII sind für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen....
    Gem. § 35a SGB VIII sind für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen.

    Kinder und Jugendliche, die einen erhöhten erzieherischen Bedarf aufweisen, der eine deutlich reflektierende und damit professionelle Einstellung der Pflegeeltern erfordert, sollen in sozialpädagogischen Pflegestellen untergebracht werden. Aufgrund der Vorerfahrungen der Kinder und Jugendlichen in ihrer Herkunftsfamilie haben die Kinder eine erzieherischen Bedarf, der mit den Mitteln einer „normalen Pflegefamilie“ nicht zu leisten ist. Voraussetzung für die Unterbringung in einer sozialpädagogischen Vollzeitpflegestelle ist, dass die Kinder trotzdem noch als familienfähig eingestuft werden.

    Besonderheiten, die eine Unterbringung in einer sozialpädagogischen Vollzeitpflegestelle erforderlich machen können sind u.a.
    · umfangreiche Verhaltensstörungen oder Entwicklungsbeeinträchtigungen,
    · erhöhter Unterstützungsbedarf bei der sozialen Integration,
    · erhöhter Unterstützungsbedarf bei der schulischen Integration,
    · ambivalentes Bindungsverhalten an die Ursprungsfamilie,
    · extrem schwierige Rahmenbedingungen wie problematische Besuchsregelungen oder ein Verhalten der leiblichen Eltern, das das Pflegeverhältnis deutlich belastet,
    · die Vermittlung von Geschwisterkindern.

    Die Aufgabe von sozialpädagogischen Pflegepersonen ist neben der Bereitstellung des versorgenden, betreuenden und zugewandten familiären Rahmens die Schaffung eines Rahmens, der ein soziales Nachreifen oder das Aufholen von Entwicklungsbeeinträchtigungen ermöglicht bzw. in dem auch akzeptiert werden kann, dass eine vollständige „Gesundung“ unter Umständen nicht möglich ist. Die Pflegepersonen müssen überdurchschnittlich belastbar und bereit und in der Lage sein, eng mit Fachkräften, Therapeuten und Institutionen zusammen zu arbeiten

    Häufig erwarten die Jugendämter von sozialpädagogischen Pflegepersonen eine fachliche Vorbildung.

    Oft wird erst nach der Aufnahme eines Kindes im Laufe eines „normalen“ Pflegeverhältnisses deutlich, dass erhebliche Sozialisations- oder Entwicklungsdefizite vorliegen, die bei der Inpflegegabe nicht bekannt waren oder als nicht so gravierend eingeschätzt wurden. In diesem Fall ist zu prüfen, ob der Status der Pflegefamilie wechseln kann.

    Sozialpädagogische Pflegestellen benötigen, wenn sie den an sie gestellten erhöhten Erziehungsanforderungen gerecht werden sollen, besondere Unterstützung in Form von Supervision, regelmäßigen Fortbildungen und familienentlastenden Unterstützungsangeboten.

    Sozialpädagogische Pflegestellen erhalten für ihre besondere Erziehungsleistung einen erhöhten Erziehungsbetrag.

    Anmerkung: Die Abgrenzung zwischen sonder-/heilpädagogischen Pflegestellen, sozialpädagogischen Pflegestellen und Erziehungsstellen ist häufig fließend bzw. eine Abgrenzung nicht vorhanden, so dass diese Informationen nicht als „allgemeingültig“ angesehen werden können. Sie sind orientiert an den weiterentwickelten Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Vollzeitpflege vom 26.02.2004.

    Zum Diskussionsforum „Sonstige Pflegeformen

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