Entlassung Vormund

      Entlassung Vormund

      Wir haben zum Thema "Vormundschaft" verstanden, dass der jetztige Vormund "entlassen" werden müsse. D.h. es müssten ihm Pflichtverletzungen nachgewiesen werden. Das hat er nicht (wussten wir aber auch nicht, dass er "entlassen" werden muss).

      In der Fachzeitschrift vom PFAD Heft 1.2020, Seite 6 wurde ein Fall geschildert, der große Ähnlichkeiten mit unserem "Fall" aufwies. Außerdem dürfen wir seit vielen Monaten das Kind - da es in einer Behinderteneinrichtung lebt - nicht sehen, wg. dem speziellen Infektionsschutzgesetz. Wir dachten, als Vormund hätten wir diesbezüglich auch eine Besuchssicherheit.
      Zwar machte uns der Verfahrensbestand in einem Gespräch einige Zeit vor der Anhörung darauf aufmerksam, dass der Vormund entlassen werden müsse, allerdings hatten wir dazu von einem Bekannten auch andere Informationen.

      Soweit wir das verstehen, gibt es also "nur" Möglichkeiten für Pflegeeltern bzw. ehemalige Pflegeeltern die ehrenamtliche Vormund zu erhalten: 1. Pflichtverletzung des gegenwärtigen Vormundes und 2. Der Vormund gibt es freiwillig an die Interessenten ab.
      Hallo Regen,
      das ist keine Entlassung in dem Sinne wie es bei einer Arbeitsstelle wäre, mehr so im Sinne von "aus der Verantwortung entlassen".
      Da ehrenamtliche Vormünder immer vorzuziehen sind, ist auch das (Deine Bereitschaft zur Übernahme der ehrenamtlichen Vormundschaft) ein Grund, die Vormundschaft von einem Amts- oder Berufsvormund zu übernehmen. So war es bei uns: der Amtsvormund fragte nach unserer Bereitschaft, dann haben wir das beantragt.
      Findest Du hier im Forum bestimmt die rechtlichen Grundlagen zu.
      Gruß
      Anna H.
      Mein Pflegesohn versucht gegen jede Grenze anzugehen, er schreit, er
      tobt, er nörgelt und er liebt uns so sehr, daß es mich jeden Tag, an dem
      ich die Kraft habe , es wahrzunehmen, bis in Innerste berührt.
      Hallo Anna,

      endlich mal PE, die auch Vormünder sind !

      Wir haben die ehrenamtliche Vormundschaft nicht erhalten. Der jetzige Vormund will sie nicht abgeben und er hat auch keine Pflichten verletzt.
      Ich kenne auch einen "Fall", in dem das gesamte Sorgerecht beim leiblichen Vater liegt, obwohl dieser selbst einen gesetzlichen Betreuer und einen Alltagsbetreuer hat. Er darf also z.B. nicht einmal einen Mietvertrag unterschreiben.
      Die PE haben viel "Stress", wg. den Wünschen des LV die PE nicht kindgemäß sind, z.B. in welche KIGA das Kind gehen soll etc.
      Sie haben dann z.B. zu Gesprächsterminen beim JA zu erscheinen.
      Diese Logik verstehe ich nicht. Allerdings gibt der LV das Sorgerecht nicht ab, begeht auch keine Pflichtverletzung ..., hat aber offensichtlich gewisse "Einschränkungen" (sonst gäbe es ja nicht einen gesetzlichen und einen Alltagsbetreuer, die sich um seine Angelegenheiten kümmern).

      Grüße

      Regen
      Das Sorgerecht/Vormundschaft ist das zentrale Thema in der Pflegekinderhilfe. Das Problem ist, dass die gesetzlichen Grundlagen dazu unter dem Eindruck des Nationalsozialismus (deutschlandfunkkultur.de/kampf…ml?dram:article_id=409489) entstanden sind.

      Jeder würde wohl zustimmen, dass ein Staat Eltern nicht "grundlos" die Kinder wegnehmen können soll. D.h. hier muss es natürlich Hürden geben, die Eltern vor so etwas schützen.

      Dass das Elternrecht aber dearart stark ausgelegt wird führt in der Pflegekinderhilfe zu großen Problemen, nämlich dazu, dass Elternrecht VOR Kinderrecht geht. Das müsste jeder wissen bzw. darüber aufgeklärt werden, der sich auf ein Pflegeverhältnis einlassen möchte.

      [...] "Dass Kinder Rechte haben, glaube ich nicht wirklich. Immer zum Wohl der Eltern. Ich merk das so bei Jolina wie gesagt, die erst vier Monate bei mir war und ich habe gesagt, Hallo, da ist was nicht richtig! (...) Aber wenn es heißt, die Eltern sind bemüht. Sie ist wirklich auch von heute auf morgen zurückgegangen. (...) Am Freitag habe ich ihre ganzen Sachen nach den vier Monaten im Kindergarten abgestellt, das war 14 Tage vor Weihnachten und dann hat sie mich nie wieder gesehen. Bis wieder der Anruf kam am 12. Februar. Na (..) wie
      geht´s, die Jolina steht hier, da war ich gerade auf Arbeit. Können Sie sich vorstellen sie wieder zu nehmen? Ja, was soll man da sagen." [...] Quelle: Susanne Nessler und Christine Westerhaus, Raus aus der Familie? Wenn Eltern ihren Kindern schaden, deutschlandfunkkultur.de/raus-…ml?dram:article_id=343427

      Wenn LE ihr Sorgerecht nicht ausüben (wollen/können) passiert NICHTS! Solange sie ihr Sorgerecht nicht zum Nachteil des Kindes ausüben wird ihnen das Sorgerecht in der Regel nicht aberkannt. Obwohl das Sorgerecht ein Plicht/Recht ist - denn LE haben ja z. B. nicht nur ein Besuchsrecht, sondern auch eine Pficht! Wenn LE ihre Pflicht nicht wahrnehmen passiert - NICHTS.

      Das führt dann zu solchen Situationen wie im Fall Lüdge (welt.de/politik/deutschland/ar…e-der-alle-taeuschte.html) wo ein Mann auf einem Campingplatz !!! ein Pflegekind bekommen hat. Hier frage ich mich: Wo war der Sorgeberechtigte? Denn entweder gab es einen Vormund ODER die LE hatten noch das Sorgerecht und kümmerten sich nicht. Leider liest man über diese Sachverhalte selten etwas in den Artikeln, weil diese rechtliche Situation den meisten nicht berkannt ist.

      Es steht viel über Jugendämter (und deren schlechten Arbeit) in den Artikeln. Viel entscheidenter wäre aber die Frage: Was hat der Sorgeberechtigte (Vormund/LE) gemacht? Denn es ist seine Pflicht sich um die Kinder zu kümmern. Wenn das JA Mist baut, ist immer auch der Vormund/Sorgeberechtigte daran beteiligt!

      Bei einem Pflegeverhältnis, bei dem die Perspektive der Verbleib in der PF ist, müsste automatisch die Vormundschaft auf PE übertragen werden. Man kann kein Kind erziehen, was PE ja faktisch tun, wenn man nicht die rechtlichen Grundlagen dazu hat.

      [...] Denn eine Vormundschaft erfüllt ihren Sinn dann am besten, wenn das Kind erlebt, dass die Person, die es täglich erzieht, auch rechtlich zu dieser Erziehung befugt ist. Stabilität und Verlässlichkeit können ihm vermittelt werden, wenn seine "sozialen Eltern" künftig auch in der Lage sind, die erzieherischen Entscheidungen eigenständig zu treffen … (LG Wiesbaden FamRZ 2009, 2103; LG Hannover FamRZ 2007, 1909). [...]

      Wenn das so ist, dass PE einem PK Stabilität und Verlässlichkeit vermitteln, wenn PE die rechtliche Grundlage (Vormundschaft) zur Erziehung haben, dann können PE einem PK keine Verlässlichkeit und Stabilität vermitteln, wenn sie diese nicht haben (Wenn z. B. der KV sich in die Erziehung einmischt (KiGa) ohne eine Erziehlungsleistung zu erbringen). Was dann dazu führt, dass viele PK in der Pubertät Probleme machen.

      Eine derartige "Anpassung" der Vormundschaft (zum Wohl des Kindes!) wird es aber nicht geben. LE (Verbände) sind dagegen, Jugendämter sind dagegen, Vormundschaftsverbände sind dagegen.... Das wird sich nicht durchsetzen lassen.

      Letzten Endes muss dann jeder halt überlegen, ob er dieses Risiko, eine Pflegekind aufzunehmen, für sich (und seine Familie) übernehmen möchte. Ich kenne einige Pflegefamilien, die daran "kaputt gegangen" sind. Es gibt natürlich auch andere, bei denen es gut verlaufen ist. Das ist aber eben nicht das Ergebnis von guter Arbeit etc., sondern einfach nur Glückssache, eine Lotterie eben.
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