Psychologisierungen

      Mit Psychologisierungen haben wir ebenfalls (negative) Erfahrungen gemacht. Zwar "beschwört" das Jugendamt vor der Übernahme einer Pflegschaft eine gute, ehrliche, partnerschaftliche Zusammenarbeit. Für ein Jugendamt sind jedoch Pflegeeltern von vornherein keine Partner, sondern potentielle "Problemfälle", die ggf. nicht das machen möchten, was das JA will (Deshalb sollen die in der Regel auch keine Vormundschaften bekommen, weil sie das mit mehr Rechten ausstatten würde).

      So wird dann das Verhalten von PE von vornherein genau beobachtet und psychologisch bewertet / psychologisiert. Das erfährt man erst wenn es "zu spät" ist und man die Akte einsieht - was man im Regelfall ja erst macht, wenn es bereits Konflikte gibt.

      Da stehen dann so Sachen drin wie "will engere Bindung zum KV" nicht zulassen etc. (unser Pflegekind hatte Fieberschübe nach Besuchskontakten, Einkoten...., der Psychologe stellte später fest, dass wohl "war vorgefallen" war, Traumatisierung etc. .....)

      Diese Psychologisierungen ziehen sich durch die gesamte Akte. Jedes Verhalten wir genau analysiert/psychologisiert - in die Richtung, die für das JA passt (das funktioniert gegen LE natürlich genauso).

      Jetzt müssen JA-MitarbeiterInnen ja Situationen auch bewerten. Zur "fachlich korrekten" Arbeit gehört aber auch, dass man richtig argumentiert. D.h. dass nicht einfach nur Behauptungen aufgestellt werden, sondern diese auch begrundet und mit Beispielen belegt werden, zumal man da auch mal die Gegen-Perspektive einnehmen könnte (akademie.de/wissen/erfolgreich-argumentieren). Das ist aufwendig, aber dafür werden sie eigentlich bezahlt.

      Unserer KM wurde die Hilfe zur Erziehug gekündigt (damit wir kein Pflegegeld mehr erhalten) - weil mit uns als PE keine partnerschaftliche Zusammenarbeit mehr möglich ist. Mehr stand da nicht. Das ist eine Behauptung. Warum mit uns keine parnterschaftliche Zusammenarbeit nehr möglich ist (Begründung) steht da nicht. Wird auch nicht mit Beispielen belegt (was haben wir gemacht, warum mit uns keine partnerschaftliche Zusammenarbeit mehr möglich ist?).

      Aber das JA kommt mit dieser Arbeitsweise eben in der Regel durch, weil es praktisch keine Überprüfung der Arbeit gibt. Und wer strengt sich schon gerne an, wenn es auch einfach geht?

      Zumal diese Arbeitsweise auch praktisch ist. Denn wenn es keine richtige Begründung/Beispiele gibt haben Pflegeeltern keine Möglichkeit diese zu widerlegen.

      Um beim Beispiel zu bleiben: Wie sollten wir widerlegen, dass mit uns keine Zusammenarbeit mehr möglich ist obwohl wir doch gar nicht genau wissen, warum das Jugendamt das so sieht?

      War es, weil wir Akteneinsicht beantragt und die durchgesetzt haben? War es, weil dann festgestellt wurde, dass die Aktenführung unter aller S... war (private Handakten mit Psychologisierungen)? War es, weil wir unterstellt haben, dass der Amtspfleger ein reiner Unterschriftenpfleger ist (Pflegekinderfachdienst hat zum Teil die Schriftstücke von Amtspfleger erstellt, PKFD und Amtspfeger kommen zusammen zum Hausbesuch, Hilfeplan ohne Amtspfleger....)? War es, weil wir schlechte fachliche Arbeit unterstellt haben (Stellungname des JA zu einer Namensänderung erfolgte ohne Befragung des PK, PE, LE, Psychologe - woher sollte das JA Infos haben für eine Stellungnahme?)?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „ZAP“ ()

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